Es ist 7:00 Uhr morgens. Paraguayisches Winterwetter mit frischen 8 Grad, die sich eher wie 0 anfühlen. Die Kinder stehen noch müde, nach Klassen geordnet, auf dem Sportplatz. Die paraguayische Flagge wird gehisst und verschlafen und leise wird die doch ziemlich anspruchsvolle Nationalhymne gesungen.
Dann kommt ein Vater mit einer Gitarre und einer tollen Stimme. Die Sonne geht langsam auf und die Kinder singen „10.000 Gründe“ auf Spanisch. In den wacheren Ecken wird schon geklatscht… und manchmal bleibe ich noch ein bisschen am Zaun stehen, einfach um zuzuhören. 🙂
So beginnt hier der Schultag. Manchmal gibt es noch ein bisschen Frühsport vor dem Unterricht.
Nach einem Monat wird es Zeit, euch ein bisschen mitzunehmen:
Wie ist das eigentlich, wenn unsere Kinder hier zur Schule gehen?
Die Escuela Esperanza ist eine christliche Privatschule mit staatlicher Anerkennung und macht auf uns einen sehr guten Eindruck. Es gibt hier in Hohenau einige öffentliche und private Schulen, die Esperanza gehört noch gar nicht so lange dazu.
Die Schule entstand, als während der Pandemie viele Familien nach Hohenau zogen. Ursprünglich war sie einmal eine kleine Homeschooling-Lerngruppe, aus der nach und nach eine provisorische deutsche Schule entstand. Um eine offiziell anerkannte Schule zu werden, mussten sie allerdings eine Weile schließen und nach und nach alle Anforderungen für die staatliche Anerkennung erfüllen.
Daraus entstand schließlich die heutige Escuela Esperanza mit einem sehr engagierten jungen Schuldirektor, der selbst zwei seiner Kinder dort zur Schule schickt, und einer paraguayischen Directora. Die Kinder werden von deutschen und paraguayischen Lehrern auf Deutsch (mit deutschen Schulbüchern) und Spanisch unterrichtet. Finanziert wird die Schule ausschließlich durch das Schulgeld (ca. 60 Euro pro Kind pro Monat) und freiwillige Spenden.
Inzwischen besuchen rund 80 (deutsche) Kinder die Schule – von der Vorschule bis zur 7. Klasse. Mit jedem neuen Schuljahr wächst die Escuela Esperanza ein Stück weiter. Geplant ist, die Schule nach und nach bis zur Oberstufe auszubauen.
Wie erleben unsere Kinder und wir die Schule?


Dinge, die wir hier anders finden…
- Mehr Respekt gegenüber den Lehrern und trotzdem gibt es von der „Profe“ auch eine herzliche Umarmung, wenn sie gebraucht wird.
- Kinder fehlen bei Regen öfter mal, weil ihre Straße nicht befahrbar ist.
- Keine Markenklamotten. Durch die Schuluniform erledigt sich das Thema ganz automatisch – und Schuhe sind spätestens nach ein paar Tagen ohnehin alle gleich rot vom Sand 🙂
- Alle Kinder spielen miteinander: Die Großen eher Fußball, aber manchmal auch begeistert „Ochs am Berg“ mit den Kleinen.
- Viel mehr frische Luft
- Kinder werden morgens persönlich am Tor begrüßt
- Großes Loyalitäts- und Gemeinschaftsgefühl
- Es wird viel mehr mit und für die Kinder gebetet.

Dinge, die es hier einfach nicht gibt und es funktioniert trotzdem…
- Nachmittagsunterricht (Schulschluss ist, wie in Paraguay üblich, um kurz nach 11 Uhr)
- Smartphones! Kein Kind hat es in der Schule dabei oder besitzt überhaupt eines
- Smartboards, Tablets, irgendeine Form von Digitalisierung
- Sporthalle
- größere Sportgeräte
- große Klassen (Aurie hat nur 6 Mitschüler)
- Umfangreiche Listen mit benötigtem Schulmaterial
- große Klassenzimmer (Die Klassenräume sind in kleinen Häuschen)
Die Ausstattung der Schule ist eher funktional, funktioniert für die Kinder aber sehr gut.
Ich durfte Aurie bei ihren ersten zwei Wochen begleiten, weil sie eine paraguayische Lehrerin hat und kein Spanisch versteht. Dabei haben wir gemerkt: Kinder brauchen offenbar gar nicht so viele Worte, um zu verstehen. Herzlichkeit und Freude reichen, damit man sich wohlfühlt.
Die Schule fühlt sich für uns irgendwie frei an. Es gibt Raum, um direkt mit anzupacken, und es ist spürbar, dass hier ein Familienvater eine Schule mit aufgebaut hat, die er sich selbst für seine Kinder wünscht.
Wir sind dankbar, dass unsere Kinder das so erleben dürfen und sich wohlfühlen. Das Thema Schule hat uns im Vorfeld sehr beschäftigt und im Rückblick merken wir: Gott hat uns auch hier geführt. Vielleicht ist das am Ende auch das, was uns an dieser Schule am meisten gefällt: Hier geht es nicht nur darum, was die Kinder lernen. Es geht darum, wer sie werden und dass sie Gott erleben dürfen.

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